Im Arbeitsbereich Didaktik der politischen Bildung legen wir großen Wert auf wissenschaftsorientiertes und praxisnahes Arbeiten. Einen großen Stellenwert kommen dabei unseren Projekten zu. Informieren Sie sich hier über unsere laufenden und vergangenen Projekte:
Die Corona-Pandemie stellte eine große gesellschaftliche Herausforderung dar. In besonderer Weise traf dies auch auf das professionelles Tun als Politiklehrerinnen und -lehrer zu. So verlangte der Unterricht in Corona-Zeiten Kreativität bei der Suche nach Möglichkeiten, innerhalb des vorgegebenen Rahmens einen möglichst guten Politikunterricht anzubieten. Viele mussten nach individuellen Lösungen suchen.
Um diese Erfahrungen zu erfassen und zu systematisieren, führten Prof. Dr. Kerstin Pohl und StD Dr. Veit Straßner in Kooperation mit dem Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung der JGU eine Befragung zum Politikunterricht während Corona durch. Es konnten 766 Teilnehmer:innen akquiriert werden.
Neben technischen Fragen der digitalen Umsetzung ging es uns dabei vor allem um grundlegende didaktische, methodische und konzeptionelle Fragen zum Politikunterricht während der Corona-Zeit. Die Ergebnisse sind in weiterführenden Publikationen aufbereitet.
In der Diskussion um die politische Bildung wurden in den letzten 20 Jahren zahlreiche Kontroversen ausgetragen. Viele dieser Kontroversen knüpfen an vergangene Kontroversen der 1960 und 1970 Jahre an, wie zum Beispiel zur Frage, welches Bürgerleitbild für die politische Bildung angemessen ist und ob man im Rahmen des Politikunterrichts auch politisch aktiv werden darf. Sie werden heute unter den Vorzeichen der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation neu diskutiert.
Im Seminar haben sich die Studierenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in eine Kontroverse eingearbeitet, die sie besonders interessiert hat, und jeweils Politikdidaktiker*innen mit unterschiedlichen, meist gegensätzlichen Positionen interviewt.
Die meisten Interviews wurden im Rahmen der GPJE-Tagung vom 14.-16. Juni 2018 in Mainz durchgeführt. Aus den Interviews wurden Podcasts erstellt, die hier oder auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung zugänglich sind.
Der Populismus ist eine zentrale Herausforderung der Gegenwart, da er als antipluralistische Ideologie den gesellschaftlichen Zusammenhalt und als anti-elitärer Politikstil die parlamentarische Demokratie bedroht (Müller 2016). Jede fünfte Person neigt deutlich zu rechtspopulistischen Einstellungen und bei 41 % ist zumindest eine entsprechende Tendenz festzustellen. Die stabile Verbreitung populistischer Einstellungen seit 2014 deutet drauf hin, dass diese in der Bevölkerungsmitte normaler geworden sind (vgl. Zick u.a. 2019).
In der Ringvorlesung wurde das Thema Populismus aus unterschiedlichen fachlichen und didaktischen Perspektiven behandelt. Die Veranstaltung war nicht nur für (Lehramts-) Studierende aller Fächer, sondern auch für Refendar*innen und Praktiker*innen aus Schulen und anderen Bildungseinrichtungen konzipiert. Primäres Ziel der Ringvorlesung war es, eine Diskussion sowohl über Fächergrenzen hinweg als auch zwischen Beteiligten aller Phasen der Lehrerbildung zu ermöglich. In jeder Veranstaltung der Ringvorlesung wurden von den beteiligten Referent*innen die Probleme des Populismus aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven benannt und wissenschaftliche Erkenntnisse für den alltäglichen Umgang mit Populismus in Schule und Unterricht aufbereitetet. Die Veranstaltungen sollten ausreichend Raum für Fragen und Beiträge aus dem Publikum lassen, um gemeinsam über Fächergrenzen hinweg Möglichkeiten des Umgangs mit den Herausforderungen des Populismus in der schulischen und unterrichtlichen Praxis zu thematisieren.
Die Ringvorlesung war ein Projekt des Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) und des AK Fachdidaktik, der sich um eine interdisziplinäre Vernetzung der Fachdidaktiken und der Bildungswissenschaften in Forschung und Lehre, um eine Profilierung der Lehrerbildung an der JGU sowie um eine universitätsweite und darüber hinaus reichende Sichtbarkeit Fachdidaktiken der JGU bemüht.
Mit freundlicher Unterstützung des Gutenberg Lehrkolleg (GLK) und der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.
| Datum | Vortragstitel | Dozent*in | Video |
| 15.10.2019 | Was ist Populismus? | Dr. Carl Berning JGU, Institut für Politikwissenschaft | YouTube |
| 22.10.2019 | Geographien der Gewalt – vom Terrorismus über Fake News zur Destabilisierung der Gesellschaft | Prof. Dr. Volker Wilhelmi JGU, Geographiedidaktik | |
| 29.10.2019 | Fakt oder Fake? – Bedeutung und Implikationen im Rahmen der Digitalisierung von Bildungskontexten | Dr. Christiane Kuhn & Dr. Sebastian Brückner JGU, Wirtschaftspädagogik | |
| 05.11.2019 | Populismus in den Medien – Antworten der Medienpädagogik | Prof. Dr. Stefan Aufenanger JGU, Institut für Erziehungswissenschaft | YouTube |
| 12.11.2019 | Kann Mathematikunterricht Populismus verstärken? | Prof. Dr. Ysette Weiss JGU, Mathematikdidaktik | |
| 19.11.2019 | a) Populismus und die Grenzen des Kontroversitätsgebots des Beutelsbacher Konsens b) Politische Bildung und Populismus am Beispiel von Geschlecht | Prof. Dr. Kerstin Pohl & Elia Scaramuzza JGU, Didaktik der politischen Bildung | YouTube |
| 26.11.2019 | Bildung für Demokratie als Aufgabe der gesamten Schule – der Rechtsrahmen für Lehrkräfte | St’D Katja Bewersdorf Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz | YouTube |
| 03.12.2019 | Populismus und Familienerziehung | Prof. Dr. Markus Höffer-Mehlmer JGU, Zentrum für Lehrerbildung | YouTube |
| 10.12.2019 | Antigenderism als Form neo-autoritärer Bewegung | Vertr.-Prof. Dr. Yalız Akbaba Uni Marburg | |
| 17.12.2019 | Argumentationstraining gegen Stammtischparolen | Prof. Dr. Klaus Peter Hufer Uni Duisburg/Essen, Volkshochschule Viersen | YouTube |
| 07.01.2019 | Wie wird in der Kopftuchdebatte geframed? Ein Beispiel ideologiekritischer Bildung im Religionsunterricht | Andreas Menne, M.A. JGU, Katholische Religionspädagogik & Jan-Hendrik Herbst M.A. Uni Dortmund, Katholische Religionspädagogik | |
| 14.01.2020 | Streit um den Körper – Sport und seine Didaktik(en) diesseits und jenseits von Ertüchtigungsphantasien | Prof. Dr. Tim Bindel JGU, Sportdidaktik | |
| 21.01.2020 | Geschichtsmythen und Historisches Lernen: Neue (und alte) Herausforderungen an den Geschichtsunterricht | Prof. Dr. Meike Hensel-Grobe JGU, Geschichtsdidaktik | |
| 04.02.2020 | Sprachliche Techniken des Populismus als Gegenstand von Sprachreflexion | Prof. Dr. Anja Müller JGU, Sprachdidaktik Deutsch & Prof. Dr. Sylvia Thiele JGU, Didaktik der romanischen Sprachen und Literaturen |
Literatur
Müller, Jan Werner 2016: Was ist Populismus? Ein Essay, Berlin.
Akbaba, Yalız / Jeffrey, Bob (Eds.) 2017: The implications of ‘New Populism’ For Education, Stroud.
Zick, Andreas u.a. 2019: Verlorene Mitte, feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/2019, Bonn.
Im Rahmen des Projekts „Nachhaltigkeit: Drei Fächer – drei Perspektiven – ein Seminar“ (Laufzeit 1.1.2016 – 31.12.2017) wurde jeweils im Sommersemester eine interdisziplinäre Lehrveranstaltung angeboten, in der M.Ed.-Studierende der Fächer Biologie, Geographie und Sozialkunde in interdisziplinären Teams Unterricht als Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung planen, schulpraktisch umsetzen und auswerten konnten. In der fachlichen Erarbeitung der Inhalte wurden die Spezifika der drei fachwissenschaftlichen Perspektiven deutlich – die interdisziplinäre Betrachtung führte zu einem zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Auf dieser Grundlage planten die Studierenden eine mehrstündige fächerübergreifende Unterrichtsreihe, die sie im Anschluss umsetzten. Dabei wurden sie von Mentor/innen an Schulen und von den Lehrenden des Seminars betreut. Die Studierenden erhielten so bereits im Studium die Möglichkeit, unter wissenschaftlicher Anleitung durch die beteiligen Fachdidaktiker/innen schulische Lernprozesse zu steuern, zu beobachten und zu beurteilen. Interessierte Studierende konnten darüber hinaus im Rahmen von Modul- oder Masterarbeiten Forschungsprojekte zur Bildung für nachhaltige Entwicklung durchführen. 2016 stand das Thema Windenergie im Fokus der Projekttage, die am Otto-Schott-Gymnasium in Mainz stattfanden. Das Projekt zum Thema intensive Nutztierhaltung haben wir 2017 an der Integrierten Gesamtschule in Mainz-Bretzenheim durchgeführt.
Wir haben das Projekt auf verschiedenen Tagungen vorgestellt:
- Prof. Dr. Kerstin Pohl/Anna Krekeler: Posterpräsentation „Konzepte der BNE“ auf der Tagung der GFD/KOFADIS zum Thema „Fachdidaktische Forschung zur Lehrerbildung“ in Freiburg im Breisgau
- Prof. Dr. Kerstin Pohl/Anna Krekeler: Vortrag „Interdisziplinäre Projekte als Herausforderung für integrative Fächer – ein Praxisbeispiel“ auf der Herbsttagung der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung in Berlin
- Anna Krekeler: Vortrag und Workshop zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung: Interdisziplinäre Projekte als Herausforderung für integrative Fächer – ein Praxisbeispiel“ auf der Tagung „Fächerübergreifendes Unterrichten“ im Schlözer Programm Lehrerbildung an der Universität Göttingen

Gefördert als Schwerpunktprojekt vom Gutenberg Lehrkolleg
Vom 14.-16. Juni 2018 fand die 19. Jahrestagung der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) unter dem Titel „Gesellschaft im Wandel – Neue Herausforderungen für die politische Bildung und ihre Didaktik“ an der JGU Mainz statt.
Die Tagungsbeiträge stellten erstens die Frage, wie Wandlungsprozesse Lernvoraussetzungen, Vorstellungen und Interessen der Lernenden verändern und wie sich politische Bildung dazu verhalten sollte. Zweitens wurde diskutiert, ob wir angesichts der neuen gesellschaftlichen Herausforderungen und der zunehmenden Verflechtungen von Gesellschaft, Politik und Ökonomie einen anderen Fächerzuschnitt im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld benötigen. Die Beiträge stellten drittens Überlegungen an, inwiefern es einer stärkeren und immer wieder neu zu aktualisierenden gesellschaftstheoretischen Begründung der jeweils aktuellen Ziele, Inhalte und Methoden politischer Bildung bedarf.
Wir haben uns sehr gefreut, Ausrichter der Tagung sein zu dürfen, und bedanken uns bei allen Unterstützern, die die Tagung in dieser Form möglich gemacht haben.