Planspiele

Bei Planspielen steht die Prozessdimension der Politik (politics) im Zentrum. Es geht darum, Verhandlungen und Entscheidungsprozesse politischer Akteure zu simulieren, um sie nachvollziehbar zu machen und um Handlungsfreiräume und –zwänge der beteiligten Akteure einschätzen und beurteilen zu können. Durch Erfahrung + Reflexion wird der Lernprozess effektiver!

Als Inhalte eignen sich (fast) alle politischen Prozesse – von der Kommunalpolitik bis zur internationalen Politik. Es wird jeweils ein exemplarisches Beispiel durchgespielt.

Idealtypischer Ablauf:

Planspiele können als Makromethode mehrere Seminarsitzungen oder auch ein ganzes Seminar strukturieren. Hier ist daher kein Zeitumfang angeben, sondern nur eine Phaseneinteilung:

Vorbereitungsphase

  • Vorbereitungsphase im Plenum: Notwendige Hintergrundinformationen werden erarbeitet.
  • Vorbereitungsphase in Gruppen: Relevante Informationen zur Position, zu den Interessen und zur Macht des Akteurs, den die Gruppe verkörpert und zu den möglichen Bündnissen mit anderen beteiligten Akteuren werden erarbeitet.

 

Spielphase

  • Interaktionsphase: Phase mit inoffiziellen Verhandlungen „hinter verschlossenen Türen“
  • Konferenzphase
  • (ggf. weitere Interaktionsphasen und Konferenzphasen im Wechsel)
  • Abstimmung/Entscheidung

 

Auswertungsphase

  • Nachbereitung: Methodische Auswertung
  • Nachbereitung: Inhaltliche Auswertung (v. a. fachliche Prüfung und Übereinstimmungen/Abweichungen mit der Realität bewerten,
    Klärung zentraler Kategorien/Konzepte aus der politics-Dimension: Macht, Konflikte, Interessen(-artikulation, -bündelung, -durchsetzung), Kompromisse, Verhandlungen)

 

Beispiel: EU-Erweiterung: Simulation von Beitrittsverhandlungen (z.B. Türkei, Serbien oder Ukraine)

Ablaufplan

 

1 VORBEREITUNGSPHASE
Vorbereitungsphase im Plenum Einführung in die Planspielmethode

Informationen zur EU und zum Beitrittsverfahren sowie zu den   Beitrittskandidaten

Vorstellung der Ausgangslage und Rollen (Kommission, Rat, Parlament, Vertreter der Beitrittskandidaten, Pressevertreter, etc.) Aufteilung der Rollen

Klärung organisatorischer Fragen

Vorbereitungsphase in Gruppen Relevante Informationen zur Position, zu den Interessen und zu Möglichkeiten des Akteurs, den die Gruppe verkörpert, werden erarbeitet
2 SIMULATION
Interaktions-/Konferenzphase 1 Präsentation der Beitrittskandidaten im Rat der Union,
Kommission wird mit Verhandlungsführung beauftragt,
öffentliche Sitzungen des Parlaments, Pressekonferenz mit anschließenden Fragen der Medienvertreter
Interaktions-/Konferenzphase 2 Kommission führt mit den beitrittswilligen Staaten die Verhandlungen über Beitrittsabkommen aus, Rat und Europäisches Parlament werden über Fortgang der Verhandlungen informiert und laden Vertreter der Beitrittsstaaten ein
Interaktions-/Konferenzphase 3, Abstimmung/Entscheidung Rat hat einstimmig, Parlament mit Zweidrittelmehrheit auf der Grundlage der ausgehandelten Abkommen zu entscheiden,
Vertreter der Beitrittsländer sind Gäste bei der Abstimmung
Interkations-/Konferenzphase 4,

Aufnahme der neuen Mitglieder

gemeinsame Aufnahmekonferenz mit allen Beteiligten, Einleitung durch die Kommission, Aufnahmereden, feierliche Unterzeichnung der Beitrittsabkommen, gemeinsame Pressekonferenz, Präsidentin oder Präsident der Europäischen Kommission beendet die Konferenz
3 AUSWERTUNG
Nachbereitung: Inhaltliche und methodische Auswertung Auswertung und Diskussion des Planspiels

 

Informationen zu Planspielen und eine Datenbank mit 250 Beschreibungen von Beispielen finden sich auf der Homepage der Bundeszentrale für Politische Bildung: http://www.bpb.de/lernen/unterrichten/planspiele/ (das hier vorgestellte Beispiel ist eine adaptierte Version eines dort aufgeführten Spiels)

(Tipp formuliert von + Ansprechpartner für Nachfragen: Kerstin Pohl pohl@politik.uni-mainz.de, Arne Niemann niemann@politik.uni-mainz.de )